Split it up

Meine Freunde diskutieren über Ehegattensplitting – merkt man daran, dass man älter wird? Wie auch immer, das Thema scheint im Trend zu liegen; in der letzten Ausgabe der Zeit gab es jetzt sogar einen Leitartikel dazu.

Der erste Satz hiess sinngemäß: “Die Durchsetzung von Leitsätzen in persönlichen Lebensbereichen ist nicht einfach“. Danach kam ein längerer Artikel, vermutlich gut geschrieben und auf drei Seiten fortgesetzt.

Aber dieser eine Satz fasst zusammen, was mich an dieser Diskussion stört. Gibt es überhaupt noch Leute, die der Meinung sind, dass es nicht Aufgabe des Staates sein sollte, Leitsätze in persönlichen Lebensbereichen durchzusetzen?

Ich bin immer noch der Meinung dass der Staat es den Bürgern ermöglichen sollte, ihre Lebensentwürfe nach ihren eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Dazu durchaus, das Frauen die Möglichkeite haben sollten, Beruf und Mutterschaft zu kombinieren. Dazu gehört auch, das man durch Kinder keine Nachteile haben sollte.

Aber hier scheint immer der Wunsch mitzuschwingen, der Staat möge doch bitte die eigenen Wertvorstellungen auch beim Rest der Menschheit durchsetzen.

Da sind mir dann ja fast die Politiker lieber, denen es nur um die X Milliarden Euro geht, die man beim Ehegattensplitting einsparen kann.

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2 thoughts on “Split it up

  1. Siehst du die Schwaeche deiner Argumentation? Das Durchsetzen deiner Forderung, dass Frauen durch das Kinderkriegen keine Nachteile entstehen duerfen ist genauso ein Eindringen des Staates in persoenliche Lebensbereiche.

    Natuerliche sollte ein Staat so wenig wie moegliche in das Privatleben seiner Buerger eingreifen, aber es ist eben auch Aufgabe des Staates die Gesellschaftsentwicklung in die richtige Richtung zu lenken. Was jetzt hier richtig ist und wie sich das bewerkstelligen laesst steht natuerlich auf einem ganz anderen Blatt.

    In unserem Staat setzt zur Zeit ein Umdenken ein, dass in anderen Staaten schon viel weiter fortgeschritten ist. Und dieses einsetzende Umdenken muss staatlich unterstuetzt werden, auch und gerade um politisch Zeichen zu setzen. Von mir aus kann das Ehegattensplitting, dass vor allem die klassische Rollenteilung, abgeschafft oder abeschwaecht werden, wenn dafuer mehr Moeglichkeiten zur Ganztagskinderbetreung schon ab dem Krippenalter bestehen.

    Ein Verzicht auf jeden staatlichen Eingriff ist falsch verstandener Liberalismus und fuehrt zum viel zitierten Steinzeitkapitalismus.

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  2. Einspruch! Mein Argument ist, dass der Staat durchaus eingreifen darf um Nachteile zu beheben. Denn nur wenn man bei seiner Wahl keine äussere Benachteiligung befürchten muss, kann man sich wirklich frei entscheiden.

    In diesem Fall läuft es aber darauf hinaus, das “unerwünschtes” Verhalten abgestraft werden soll. Das fällt bei dieser Diskussion nämlich gerne unter den Tisch: Ohne das Splitting sind “traditionell” lebende Paare schlechter gestellt und müssen mehr Steuern zahlen als solche, bei denen beide halbtags tätig sind. Daran ändert auch eine – durchaus wünschenswerte – Kinderbetreuung nichts.

    Was das “Lenken der Gesellschaftsentwicklung” betrifft: Da bin ich aus Überzeugung skeptisch. Wer entscheidet die “richtige” Richtung? Die Diktatur der Mehrheit? Die Bild-Zeitung?

    Eine Sanktionierung persönlicher Lebensentscheidungen habe halte ich aber höchstens dann für gerechtfertigt, wenn die Interessen des Staates unmittelbar bedroht sind.

    Und übrigens, ich bin gerne liberal 😉 Das heisst für mich, das die Freiheit nicht darauf beschränkt sein sollte, die politisch erwünschten Entscheidungen treffen zu dürfen.

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